Das Auswendiglernen gehört zu den grundlegenden Lerntechniken, die in vielen schulischen und beruflichen Kontexten erforderlich sind. Ob Vokabeln, Formeln, historische Daten oder literarische Zitate – häufig müssen Informationen so gespeichert werden, dass sie schnell und zuverlässig abgerufen werden können. Dabei reicht es nicht immer aus, die Informationen einfach nur zu wiederholen. Die richtige Methode spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie effektiv und nachhaltig der Lernprozess verläuft.
In diesem Beitrag stellen wir verschiedene bewährte Lernmethoden vor, die speziell darauf ausgelegt sind, das Auswendiglernen zu erleichtern und den langfristigen Erfolg zu maximieren.
1. Die Spaced-Repetition-Methode (Verteilte Wiederholung)
Die Spaced-Repetition-Methode ist eine der bekanntesten und effektivsten Techniken für das Auswendiglernen. Der Grundgedanke dahinter: Informationen werden nicht in einem einzigen langen Lernmarathon wiederholt, sondern in zunehmend größeren Abständen. Dies führt dazu, dass das Gelernte besser im Langzeitgedächtnis gespeichert wird.
Wie funktioniert Spaced Repetition?
- Zunächst wird der Lernstoff intensiv wiederholt.
- Danach folgt eine Pause, nach der der Stoff erneut wiederholt wird – diesmal nach einer längeren Zeitspanne.
- Weitere Wiederholungen erfolgen nach zunehmendem Abstand (z.B. nach einem Tag, einer Woche, einem Monat, etc.).
Diese Methode nutzt die Erkenntnis aus der kognitiven Psychologie, dass das Gehirn Informationen besser speichert, wenn diese in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Heute gibt es viele Apps, wie Anki oder Quizlet, die Spaced Repetition unterstützen und automatisch die Intervalle für die Wiederholung berechnen.
2. Die Mnemotechnik (Eselsbrücken und Gedächtnispaläste)
Mnemotechniken helfen, abstrakte Informationen durch Assoziationen und visuelle Bilder leichter zu merken. Diese Techniken sind besonders nützlich, wenn es darum geht, eine große Menge an Informationen zu speichern und schnell abzurufen.
Eselsbrücken
Eselsbrücken sind einfache und oft humorvolle Merksprüche, die eine Verbindung zwischen dem zu merkenden Stoff und etwas Bekanntem herstellen. Zum Beispiel:
- „Wer mit Hunden schläft, wacht mit Flöhen auf“ – um sich die Reihenfolge der Planeten im Sonnensystem zu merken (Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun).
Gedächtnispalast
Der Gedächtnispalast, auch „Method of Loci“ genannt, ist eine besonders kraftvolle Technik, bei der du dir einen Ort (z. B. ein Gebäude oder eine bekannte Route) vorstellst und dann Elemente des Lernstoffs mit bestimmten Punkten oder Räumen in diesem Ort verbindest. Je ausgefallener und visueller die Assoziationen sind, desto leichter lassen sich die Informationen abrufen.
Vorteile:
- Sehr gut geeignet für das Lernen von Fakten, Zahlen oder Begriffen.
- Die Technik kann das visuelle Gedächtnis stark fördern.
3. Chunking (Informationsbündelung)
Chunking bezeichnet das Bündeln von Informationen in größere, leichter zu merkende Einheiten (Chunks). Anstatt eine lange Zahlenreihe wie 149876349 zu merken, teilt man sie in kleinere Gruppen, wie 149, 876 und 349. Dies erleichtert das Abrufen der Information.
Wie funktioniert Chunking?
- Teile komplexe Informationen in kleinere Einheiten auf.
- Verbinde diese Einheiten mit bereits bekannten Informationen oder visuellen Assoziationen.
- Ein bekanntes Beispiel ist die Telefonnummer: Statt die Nummer 01712457839 als eine lange Zahl zu sehen, wird sie in Abschnitte wie „0171“, „245“, „7839“ unterteilt.
Chunking ist besonders nützlich beim Merken von langen Zahlen, Vokabeln oder komplexen Formeln.
4. Aktives Wiederholen (Aktives Abrufen)
Aktives Wiederholen ist eine Methode, bei der das Ziel nicht nur das passive Lesen oder Hören des Stoffes ist, sondern das aktive Abrufen und Wiederholen der Information. Indem du versuchst, die Information selbst aus dem Gedächtnis abzurufen, stärkst du die Verbindungen im Gehirn und sorgst für eine bessere langfristige Speicherung.
Wie funktioniert aktives Wiederholen?
- Schreibe Zusammenfassungen des Gelernten aus dem Gedächtnis, ohne auf Notizen zu schauen.
- Teste dich selbst regelmäßig, z. B. mit Karteikarten oder Prüfungsfragen.
- Arbeite mit einem Lernpartner und stellt euch gegenseitig Fragen.
Diese Technik hat sich als besonders effektiv erwiesen, weil sie das Gehirn dazu zwingt, aktiv nach Lösungen zu suchen und so das Abrufen und Verstehen des Stoffes fördert.
5. Kreative Visualisierung
Die Visualisierung von Informationen kann das Auswendiglernen erheblich erleichtern. Unser Gehirn ist besonders gut darin, sich Bilder und visuelle Eindrücke zu merken. Das Erstellen von visuellen Notizen, Diagrammen oder Mindmaps kann helfen, abstrakte Informationen zu strukturieren und die Verbindungen zwischen verschiedenen Konzepten klarer zu machen.
Wie funktioniert kreative Visualisierung?
- Versuche, abstrakte Begriffe in Bilder oder Symbole umzuwandeln.
- Nutze Mindmaps, um Konzepte visuell miteinander zu verbinden.
- Zeichne Diagramme oder Skizzen, die den Lernstoff veranschaulichen.
Visuelle Lernmethoden helfen nicht nur dabei, sich besser zu erinnern, sondern auch, komplexe Sachverhalte einfacher zu verstehen.
6. Lernen durch Lehren (Feynman-Technik)
Die Feynman-Technik basiert auf der Idee, dass du ein Thema am besten verstehst, wenn du es jemand anderem erklärst. Diese Methode kann auch dabei helfen, den Stoff besser zu memorieren, da du aktiv nach einer verständlichen und prägnanten Erklärung suchen musst.
Wie funktioniert die Feynman-Technik?
- Wähle ein Thema, das du lernen möchtest.
- Erkläre das Thema laut, als würdest du es einer anderen Person beibringen. Verwende einfache Sprache und vermeide Fachjargon.
- Wenn du auf schwierige Stellen stößt, geh zurück zum Lernstoff und studiere diese Punkte intensiver.
- Überarbeite deine Erklärung, bis du sie einfach und verständlich formulieren kannst.
Diese Technik sorgt dafür, dass du die Informationen wirklich verstehst und sie dir leichter einprägen kannst.
Fazit: Die beste Lernmethode zum Auswendiglernen
Es gibt nicht die eine „beste“ Methode, da jeder Mensch anders lernt. Eine Kombination aus verschiedenen Lerntechniken ist meist am effektivsten. Methoden wie Spaced Repetition, Mnemotechniken, aktives Wiederholen und visuelle Lernmethoden haben sich jedoch als besonders wirkungsvoll herausgestellt, um Informationen langfristig zu speichern und erfolgreich abzurufen.
Am wichtigsten ist es, regelmäßig zu üben, den Lernstoff zu wiederholen und das Lernen auf die eigene Art und Weise zu optimieren. Wer dabei verschiedene Methoden kombiniert und seine Stärken ausnutzt, wird merken, wie viel leichter und nachhaltiger das Auswendiglernen wird.